Logbuch

Urzeit
Der archäologischen Theorie nach wanderten bereits um 40.000 v. Chr. über die damals trockene Beringstrasse Stämme vom asiatischen Kontinent ein und besiedelten den amerikanischen Kontinent. Die Einwanderung in Südamerika erfolgte demnach etwa 20.000 bis 10.000 v. Chr. Aus dieser Zeit jedenfalls stammen die Höhlenmalereien in der Gegend um die Stadt Ayacucho und den Lauricocha-Höhlen an der Quelle des Rio Marañón, die 1957 gefunden wurden. Etwa 4.000 v. Chr. begann der erste kultivierte Anbau von Kürbissen und Bohnen. Die frühen Peruaner lebten zwar weiterhin normadisch, begannen jedoch um ca. 3000 v. Chr. mit systematischen Ackerbau und der Domestizierung von Lamas, die man als Tragtiere und Fleischlieferanten nutzte.
Erstmals sesshaft  machten sich die Ureinwohner in den fruchtigen Wüstentälern der Küste, die eine permanente Versorgung mit Wasser gewährleisteten.

Vorkoloniale Kulturen
Die Stadt Caral wurde 1996 entdeckt und ist die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent. Die Stufenpyramide wurde auf das Jahr 2627 v. Chr. datiert. Es wurden Häuser für mindestens 3000 Menschen, Amphitheater und Tempelanlagen gefunden. Künstliche Bewässerungssysteme sorgten für die Fruchtbarkeit des Wüstengebietes. Weitere Funde beweisen, daß die Bevölkerung Handel mit den Amazonasgebieten und der Küste trieben.

Die früheste, heute noch erkennbare Hochkultur, war die der Chavín, die etwa 800 v. Chr. bis 300 v. Chr. existierte. Benannt ist der Kulturkreis nach dem Fundort Chavín de Huántar, unweit von Huaraz in der Cordillera Blanca. Zu diesem Heiligtum pilgerten die Menschen von weit her, um dort ihren Göttern zu huldigen. Erstmals kam hier auch die Keramik zu einer Blüte. Die Entdeckung des Kotosh-Tempels bei Huánuco und die Freilegung des Heiligtums von Cumbe Mayo nahe Cajamarca bezeugen die Verbreitung der Chavín-Kultur über das gesamte Hochland Zentralperus.
Die bis heute erhaltenen Ruinen sind Anziehungspunkt für den Tourismus im Norden Perus.

In einer späten Phase von Chavín, etwa von 700 v. Chr. bis 100 n. Chr. gipfelte der Totenkult in der ‘Nekropole von Paracas’. Auf der Halbinsel Paracas, etwa 200 km südlich von Lima, bestatteten die Menschen ihre Adeligen und Priester in Grabkammern. Sie mumifizierten die Leichen, legten ihnen feinste Textilien an, verschnürten es zu einem Bündel und schmückten es mit Gold- und Silberfiguren. Bevor die Erdhöhlen verschlossen wurden, legten sie den Mumien Essen und Getränke in Tongefäßen und Waffen für die Reise in das Totenreich bei.
Funde belegen, dass diese Kultur bereits die Technik von Gold-Silber-Legierungen sowie das Schweissen und Löten beherrschten. 

Um den Titicacasee entwickelte sich ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Ob es tatsächlich ein Tiahuanaco-Reich gegeben hat ist nicht geklärt. Die Spuren dieser Kultur sind aber in Peru, Bolivien und dem Norden Chiles zu bemerken. Im engen Zusammenhang dürfte die Wari-Kultur stehen, die viel später um die Stadt Ayacucho existiert hat.

Zwischen 300 v. Chr. und 600 n. Chr. fällt die Nazca-Kultur, die geheimnisvolle Linien in den Küstenboden scharrten und bereits Bewässerungskanäle kannten. Die Oase von Nazca bot die Grundlage für eine dauerhafte Besiedelung durch intensive Nutzung der reichen Böden. Zudem steht diese Kultur für hervorragende Webarbeiten, mit denen die Menschen ihre Toten bestatteten; Vorbild war sicherlich die vorangegangene Paracas-Kultur. Die zunächst in nur wenigen Farben bemalte Keramik machte Fortschritte. Auch wurde diese nun gebrannt. Die Nazca entwickelten bei den Gefäßen den Doppelausguß mit einem dazwischenliegenden Bügelgriff und eine erstaunliche Farbenvielfalt. Weitere Charakteristika sind massive Adobetempel und die Trophäenköpfe der Unterlegenen. 

Ab dem 1. Jahrhundert existierte im Norden die Mochica-Kultur, benannt nach dem Hauptfundort Moche bei Trujillo,  die im Wüstenstreifen an der Pazifikküste eine ertragreiche Landwirtschaft mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen betrieb. Sowohl die Keramik als auch die Metallverarbeitung waren hoch entwickelt. Neben Gold und Silber wurde auch Kupfer verarbeitet. Auch beim Bau von Pyramiden setzten die Mochica neue Maßstäbe: die Huaca del Sol, die Sonnenpyramide, südlich von Trujillo mißt stattliche 40 m Höhe, 160 m Breite und 340 m Länge. Die Mochica bauten diese Pyramiden zu Ehren der Sonne und des Mondes. Der Bau massiver Grabmäler war ebenfalls charakteristisch für dieses Volk.
Die Mochica hatten mehrere Fürstentümer, die Kultur verschwand aber im 7. Jahrhundert, vermutlich infolge eines El Niño-Ereignisses.

Danach entwickelten sich die Chimus in der Zeit von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um Trujillo. Kurz vor der Eroberung durch die Inka zählte ihr Reich vermutlich über 40.000 Menschen - sie waren damit die zahlenmäßig größte Prä-Inka-Kultur. Ihre Fähigkeiten im Kunsthandwerk waren weniger ausgeprägt als bei den Mochica. Sie legten mehr Wert auf Massenproduktion und Nutzgegenstände.

Am Ostrand der Anden lebten von 800 bis 1600 die Chachapoyas. Von ihnen ist nur sehr wenig bekannt. Berühmt sind die Felsengräber, die sie an hohen Steilklippen hinterlassen haben. Im 16. Jahrhundert verschwanden die Chachapoyas spurlos.

Die bekannteste Kultur (ca. 1200 - 1532) -  die Inkas.
Der Ursprung des mächtigen Reichs ist in Form einer Legende beschrieben. Dieser zu Folge stiegen der 1. Inka, Manco Capac und seine Schwester und Gemahlin Mama Ocllo um 1200 im Auftrag des Sonnengottes auf die Erde herunter. Sie sollten sich an einer Stelle ansiedeln, an der ihr herrschaftlicher Stab leicht in den Boden eindrang. Dies gelang erst nach einer langen Wanderung 300 km nördlich im Tal von Cusco. Ihre Nachkommen nannten sich Söhne der Sonne und machten sich alle Stämme der näheren Umgebung zu Untertanen. In den ersten zweihundert Jahren ging ihr Einfluss jedoch nicht über das Tal von Cusco hinaus. In dieser Zeit hatten sieben Inka-Herrscher regiert. Erst dem Achten - Huiracocha (1410-1438) gelangen erfolgreiche Eroberungszüge im Hochland. Zum wichtigsten Inka der insgesamt nur 230 Jahre bestehenden Dynastie wurde sein Sohn Pachacutec Yupanquí (1438-1471). Er vergrösserte das Inka-Imperium um ein Vielfaches. Auch Pachacutes Sohn Tupac Yupanquí konnte das Reich noch einmal beträchtlich ausdehnen; er eroberte die südliche peruanische Küste, Gebiete im heutigen Bolivien, Chile und Argentinien sowie grosse Teile Nordperus und Ecuadors. Der 11. Inka, Huayna Capac, verwaltete bereits ein Reich von 4000 km Länge. Er starb eines ungeklärten Todes im Jahr 1527. Kurz zuvor war eine verwegene Gruppe um die Brüder Pizarro in Tumbes, nahe der Grenze zu Ecuador, an Land gegangen.

Im Reich der Inkas existierten nur wenige nennenswerte Städte. Der überwiegende Teil lebte in kleinen Dörfern und ernährte sich durch Feldarbeit. Getreide bildete das Grundnahrungsmittel, daneben zog man Bohnen, Wurzelpflanzen, Kräuter und Baumwolle. Die aufwendige Terrassierung steiler Berghänge und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem erlaubte den Anbau bis in schwindelnde Höhen hinein und garantierten in den meisten Gebieten planmässige Ernten. Ebenfalls vorteilsmässig wirkten sich gezielte Düngung und die Anlage grosser Vorratsspeicher aus. Viehzucht wurde nicht nur zur Fleischproduktion betrieben, sondern auch zur Züchtung tragfähiger Nutztiere.

Auch im Bergbau waren die Inkas sehr erfolgreich; sie förderten Gold und Silber und gruben nach Kupfer und Zinn, das sie zu Werkzeugen, Waffen und Haushaltsgeräten verarbeiteten.
Als eine der grossartigsten Leistungen gilt jedoch das über 15.000 km lange Straßensystem. Die schnellste Strecke war eine acht Meter breite und 4000 km lange Küstenstraße mit nur geringen Höhenunterschieden. Ihre Parallelstraße - die 5200 km lange und durchschnittlich 6 Meter breite Andenroute - war jedoch eine echte Herausforderung für die Händler, Soldaten und Nachrichtenläufer.

Wahre Meister waren die Inkas auch in der Kunst des Brückenbaus: sie konstruierten schwindelerregende Hängebrücken über die tiefen Schluchten.
In der Architektur setzten sie für den südamerikanischen Kontinent neue Massstäbe; sie verwendeten beim Bau der Tempel, Wohnhäuser und der Ackerbauterrassen Granit. Die Stabilität ihrer grossen Bauten übertraf die der Spanier bei weitem. Mit Zapfen, Verzahnungen und Metallklammern waren die tonnenschweren Steinblöcke so ineinander verkeilt, dass ihnen nicht einmal Erdbeben etwas anhaben konnten.  Die Steine passten sie so exakt aufeinander, dass noch heute keine Messerklinge in die mörtellosen Fugen eindringt.

In einzelnen Bereichen der Medizin waren die Inkas der europäischen Heilkunde weit voraus. Ihre Ärzte zeichneten sich besonders bei der Behandlung von schweren Schädelbehandlungen aus; hier wurden Goldplatten eingesetzt und die Verletzungen damit oftmals kuriert.
Chinin wurde als Medikament gegen Malaria verwendet. Zudem verfügten sie über weitreichende Kenntnisse der Wundbehandlung mit Hilfe der Pflanzen.

Die Inkas erhoben Quechua in allen Landesteilen zur Amtssprache. Die Verständigung war nur verbal, denn über eine Buchstabenschrift verfügten sie nicht. Sie arbeiteten mit einem Knotensystem, das der Übermittlung von Zahlen diente. Inhalte dieser Schnüre waren meist verschlüsselte Informationen über die Erträge der Landwirtschaft, Steuern und bestehende Lagervorräte.

Auf die Keramik wurde weniger Wert gelegt als in den anderen Kulturen. Die Töpfer dekorierten ihre Stücke meist mit geometrischen Formen, selten mit Figuren oder realistischen Darstellungen. Es wurden auch weniger Farben verwendet.

Bei der Goldverarbeitung bedienten sich die Inkas der herausragenden Fertigkeiten der Chimú Handwerker. Hier war der Sonnentempel in Cusco das Mass aller Dinge. Im Vorhof hatten die Inkas Pflanzen und Tiere in Lebensgröße aus Gold aufstellen lassen, im Inneren bedeckten Scheiben aus Gold und Silber die Wände.  

Die spanische Kolonialherrschaft
Im April 1532 landete Francisco Pizarro mit 180 Soldaten, 60 Pferden und mehreren, leichten Geschützen in Tumbes an der peruanischen Küste. Er nahm den Inka-Herrscher Atahualpa gefangen und ließ ihn am 29. August 1533 hinrichten. Im November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die ihm ohne großen Widerstand übergeben wurde. Er setzte den jüngeren Bruder Huáscars, Manco Cápac II. als Inka ein, der 1536 einen knapp gescheiterten Aufstand wagte. Pizarro hatte somit für die spanische Krone das Inkareich erobert und König Karl V. konnte von sich behaupten: "In meinem Reich geht die Sonne niemals unter." Pizarro gründete am 18. Januar 1535 die heutige Hauptstadt Lima. Nach Streitigkeiten mit seinem Kampfgefährten Almagro, den er 1538 hinrichten ließ, wurde er am 26. Juni 1541 in seinem Palast in Lima ermordet.

Die Spanier gründen 1543 das Vizekönigreich Peru mit Lima als Hauptstadt, das die heutigen Länder Ecuador, Kolumbien und Venezuela, sowie Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay umfasste. Wegen des Reichtums an Edelmetallen (vor allem die Silberminen von Potosi) war das Vizekönigreich für die spanische Krone von grösster Bedeutung. Im Jahr 1570 wurde die Inquisition eingeführt. Wegen eines angeblichen Indioaufstandes ließ der Vizekönig den eingesetzten Inka Túpac Amaru, den Sohn von Manco Cápac II., am 24. September 1572 hinrichten.

Das folgende Jahrhundert war gekennzeichnet durch den totalen Niedergang der Indianer. Ihre Anzahl sank rapide. Mit den Eroberern kamen auch andere Völker in das neue Vizekönigreich. Portugiesen und Italiener versuchten, für ihre Länder einen Handel aufzubauen. Sie waren dabei so erfolgreich, dass der Vizekönig um seinen Reichtum fürchtete und die Inquisition auf den Plan rief, der sie bis 1635 zum Opfer fielen. Damit war der Handel wieder in spanischer Hand.

Die Spanier bauten Lima zur Prachtstadt aus und bezeichneten sie als Stadt der Könige. Im ganzen Land wurden 50.000 Kirchen und 400 Klöster errichtet, die durch die Mitwirkung indianischer Steinmetze und Künstler einen eigenen Stil erhielten.

Die Unabhängigkeit
Bereits 200 Jahre nach dem grausamen Eroberungszug der Spanier machte sich massive Unzufriedenheit mit der Politik des spanischen Königshauses breit. Gegen Ende des 18. Jh. brachen an verschiedenen Stellen des Landes Revolten aus. Die Kreolen wehrten sich gegen die Bevormundung der Spanier, die Indianer protestierten gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen in den Bergwerken. Den 1780 von Tupec Amaru II. angeführten Indianeraufstand konnten die Spanier noch niederschlagen doch der Lawine, die Pedro Murillos Ausrufung der Unabhängigkeit im heutigen Bolivien am 25. Mai 1809 auslöste, waren sie nicht mehr gewachsen. Zwar entschärfte der Vizekönig in Lima die Ausbeutung der indigenas, doch konnte er die erhitzten Gemüter nur für kurze Zeit stoppen.
Ab 1809 bildeten sich überall in Südamerika Unabhängigkeitsbewegungen, deren bedeutendste Führer der Argentinier José de San Martín, der Venezolaner Simón Bolívar und José de Sucre waren. Zwischen 1817 und 1825 führten sie zahlreiche Schlachten gegen die Spanier. Aus Chile wurden sie von Lord Cochrane tatkräftig unterstützt und besiegten in der entscheidenden Schlacht von Ayacucho die Spanier. 1824 wurde Peru unabhängig.